Die nachfolgenden Informationen ersetzten keinesfalls eine ärztliche Diagnose und Beratung.

Beinvenenthrombose

Beinvenenthrombose: was ist das?

Als Thrombose wird die Verstopfung eines Blutgefäßes durch ein Gerinnsel (Thrombus) bezeichnet, das sich in einem gesunden oder auch vorgeschädigten Blutgefäß bildet. Betroffen können Venen (venöse Thrombose) und Arterien (arterielle Thrombose) sein. Verschließt ein Thrombus ein Gefäß vollständig, so kann dies je nach Lage des Thrombus (Herz, Lunge, Gehirn) akute Lebensgefahr bedeuten.
Thrombosen entstehen am häufigsten in Venen, vorzugsweise in den Venen der unteren Körperhälfte, wie beispielsweise in den tiefen Beinvenen oder auch in den Beckenvenen. Thrombosen treten in den Venen deutlich häufiger auf als in den Arterien, da die Fließgeschwindigkeit des venösen Blutes hier geringer ist und die Innenhaut der Venen einen anderen anatomischen Aufbau als die der Arterien hat. An den dort befindlichen Venenklappen lagern sich Blutgerinnsel leichter an.

Symptome einer Beinvenenthrombose

Thrombosen bilden sich häufig in den tief gelegenen Beinvenen. Ein plötzlich eintretender, kompletter Verschluss einer Vene geht mit einer deutlich akuteren Symptomatik einher als ein langsam fortschreitendes, sich unter Umständen über mehrere Tage oder Wochen entwickelndes Gerinnsel, das erst allmählich zu einem Verschluss führt.

Wichtig ist die Unterscheidung einer oberflächlichen „Thrombophlebitis“ und einer „tiefen Beinvenenthrombose“. Tiefe Beinvenenthrombosen machen sich häufig beim Aufstehen bemerkbar: Die Betroffenen spüren einen plötzlichen Schmerz in der Wade, das Bein ist angeschwollen und der Druck auf die Wade schmerzt. In vielen Fällen verursacht die Thrombose in der Anfangsphase wenige Beschwerden. Das macht sie besonders gefährlich.

Zu den ersten Anzeichen einer tiefen Beinvenenthrombose gehören:

  • Spannungsgefühl oder auch muskelkaterähnliche Schmerzen im Bein (Beschwerden nehmen durch Hochlegen des Beins ab).
  • Im Vergleich zum anderen Bein Schwellung und stärkeres Hervortreten der Venen, die direkt unter der Hautoberfläche verlaufen („Warnvenen“).
  • Leicht bläulich-rötliche Verfärbung, eventuell auch Überwärmung des betroffenen Beins, glänzende Haut.

Beim Vorliegen dieser Anzeichen sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, es besteht Lebensgefahr!

Treten zusätzlich Brustschmerzen und Atemnot auf, kann dies ein Hinweis auf eine Lungenembolie sein. Als Lungenembolie bezeichnet man den Verschluss eines oder mehrerer Lungengefäße, der durch eingeschwemmte Blutgerinnsel verursacht wird. Dies ist ein akuter Notfall – alarmieren Sie hier umgehend den Notarzt!
Wird eine Thrombose nicht ausreichend behandelt, kann sich das so genannte Postthrombotische Syndrom (PTS), eine dauerhafte Schädigung der Venen, entwickeln. Dabei kommt es zu einem chronischen Blutstau, der durch Narbengewebe in den Gefäßen ausgelöst wird. Hiervon können auch die Venenklappen betroffen sein, in deren unteren Bereich das Blut zurückfließt. Der Blutstau kann die Gefäße dauerhaft und schwer schädigen. Zudem kann als Folge einer Beinvenenthrombose eine chronisch venöse Insuffizienz (CVI) entstehen, die die Schwellungszustände (Ödeme) und Hautveränderungen bis hin zum offenen Bein beinhaltet.

Ursachen von Venenthrombosen

Es gibt drei wesentlichen Ursachen für die Entstehung einer Thrombose, die als die „Virchowsche Trias“ bezeichnet werden:

  • Blutgerinnungsstörung
  • Verlangsamung des Blutflusses
  • Verletzung der Gefäßinnenwand

Zahlreiche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer Beinvenenthrombose, hierzu zählen:

  • Blutgerinnungsstörungen (angeboren und erworben)
  • Operationen, Verletzungen
  • Internistische Erkrankungen (Herzinfarkt, Infektionen, bösartige Tumore)
  • Immobillität, wie zum Beispiel durch lange Bettlägerigkeit
  • Schwangerschaft
  • Einnahme von östrogenhaltigen Hormonpräparaten, wie z. B. die Antibabypille
  • Hormonersatztherapie in den Wechseljahren

Generell besteht ein erhöhtes Thromboserisiko, wenn sich Blut über einen längeren Zeitraum in den Beinen staut (bettlägerige Patienten, Druck- oder Gipsverband, Lähmungen mit Ausfall der sogenannten Wadenmuskelpumpe). Auch langes Sitzen und allgemeiner Bewegungsmangel (z. B. Flugreisen ab über drei Stunden Dauer) erhöhen die Thrombosegefahr.

Diagnose von Beinvenenthrombosen

Die genaue Befragung des Patienten (Anamneseerhebung), die optische Begutachtung und das Abtasten des betroffenen Beins sind die ersten diagnostischen Schritte. Ergibt sich hieraus der Verdacht auf eine Beinvenenthrombose, so kommen anschließend bildgebende Verfahren zur Sicherung der Diagnose zum Einsatz. In erster Linie ist dies eine Ultraschalluntersuchung (Duplex-Sonografie). Im Rahmen dieser erfolgt auch eine Kompressionssonografie, bei der mit der Ultraschallsonde die thromboseverdächtige Vene komprimiert wird. Sollte diese Untersuchung keine sichere Diagnose ermöglichen, erfolgen weitere Maßnahmen. Dazu gehört bei Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose auch eine Blutentnahme für die so genannte D-Dimer-Wertbestimmung.

Wie kann man Venenthrombosen vorbeugen?

Insbesondere Menschen, die mehrere Risikofaktoren aufweisen, sollten auf eine konsequente Thromboseprophylaxe achten und „venenbewusst“ leben. Hierzu zählen:

  • Venengymnastik
  • Wechselduschen der Beine (Kneipp)
  • Häufiges Hochlagern der Beine
  • Regelmäßige Bewegung und Ausdauersport (Schwimmen, Walking und Radfahren)
  • Reduktion von Übergewicht
  • Gesunde und abwechslungsreiche Ernährung
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Wiederholte Bewegung der Beine bei längeren Reisen
  • Verwendung medizinischer Kompressionsstrümpfe

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Beinvenenthrombosen?

Handelt es sich um eine tiefe Venenthrombose, so ist dies immer ein Notfall, bei dem nach der Sicherung der Diagnose umgehend mit der Behandlung begonnen werden muss. Je früher eine Thrombose behandelt wird, umso besser sind die Behandlungschancen.

Ziel der Behandlung ist es, den Thromboseprozess zu stoppen, eine Lungenembolie zu verhindern und gegebenenfalls den blockierten Blutfluss wiederherzustellen. Thromben können durch Medikamente (Thrombolyse) aufgelöst oder durch eine Operation (Thrombektomie) entfernt werden. Eine Operation kommt jedoch nur bei Verschluss einer großen Oberschenkel- oder Beckenvene in der Frühphase in Betracht. Heute ist - außer in seltenen Fällen - die Behandlung einer Thrombose mit modernen Medikamenten (Thrombolyse) die erste Wahl.
Unabhängig davon, ob eine oberflächliche Thrombophlebitis oder eine tiefe Venenthrombose vorliegt, erfolgt zunächst eine Kompressionstherapie. Hierzu wird zunächst ein fester Kompressionsverband angelegt, der im späteren Verlauf bzw. nach Abschwellen des Beines (nach ca. 10 Tagen) durch einen medizinischen Kompressionsstrumpf, wie zum Beispiel BORT AktiVen® ersetzt werden kann.

Ein wichtiger Teil der Basistherapie ist die Verabreichung gerinnungshemmender Substanzen (Antikoagulantien), wie beispielweise Heparin. Inzwischen stehen moderne Medikamente zur Verfügung, die nicht gespritzt werden müssen. Einige dieser DOAK´s (direkte orale Antikoagulantien) können sofort nach Diagnosestellung eingenommen werden, während andere Präparate erst nach einer anfänglichen Heparingabe einsetzbar sind. Die „Blutverdünnung“ mittels DOAK’s sollte über längere Zeit erfolgen, um den Abbau der Thromben zu fördern und eine erneute Thrombusbildung zu verhindern. Dabei richtet sich die Dauer der Therapie nach Ursache und Ausmaß der Thrombose, aber auch nach bestehenden Zusatzerkrankungen sowie nach der Entwicklung des Thrombus und nach evtl. zusätzlich notwendigen Medikamenten.

Stand: 16.August 2022